Hier ein paar Gedanken nach meiner USA-Reise.
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Mit dem Selbstbild vieler lässt sich das kaum in Einklang bringen, ebenso wenig wie der aktuelle Zustand einer Republik, die vor allem von Minderheiten getragen wird, während sich weite Teile der Gesellschaft aus dem Gemeinwesen längst verabschiedet haben. Das Spektrum reicht ungefähr von: „Das ist keine Übung, wir kämpfen ums Überleben!“ bis „Gebt uns nicht auf: die Zivilgesellschaft ist noch nicht tot“.
5/9Ich spüre auch viel irrationalen Trotz. Gegen die eigene Regierung, gegen „die Eliten“, gegen andere Staaten, die „auf Kosten der USA“ leben. Ein Trotz, der möglicherweise vor allem demobilisierend wirkt.
7/9 -
Ich spüre auch viel irrationalen Trotz. Gegen die eigene Regierung, gegen „die Eliten“, gegen andere Staaten, die „auf Kosten der USA“ leben. Ein Trotz, der möglicherweise vor allem demobilisierend wirkt.
7/9Welchen Ausblick lässt das zu? Ich denke, wir müssen realisieren: Es wird kein Zurück zum status quo ante geben. Was einmal in die Welt gelangt ist, wird ein Teil von ihr. Was gesagt wurde, wurde gesagt. Was getan ist, ist getan. Egal, wie sehr wir es uns wünschen: Wir werden nicht zweimal in denselben Fluss steigen können.
8/9
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Welchen Ausblick lässt das zu? Ich denke, wir müssen realisieren: Es wird kein Zurück zum status quo ante geben. Was einmal in die Welt gelangt ist, wird ein Teil von ihr. Was gesagt wurde, wurde gesagt. Was getan ist, ist getan. Egal, wie sehr wir es uns wünschen: Wir werden nicht zweimal in denselben Fluss steigen können.
8/9
Die liaison exceptionnelle wird sich neu definieren. Die USA werden sich neu definieren. Das Potiential zum tiefen Bruch ist da. Für die "alte Welt" ist eine neue Zeit angebrochen.
We are not living in an era of change, but live through a change of eras.
9/9 -
Ich spüre auch viel irrationalen Trotz. Gegen die eigene Regierung, gegen „die Eliten“, gegen andere Staaten, die „auf Kosten der USA“ leben. Ein Trotz, der möglicherweise vor allem demobilisierend wirkt.
7/9@Awet Tesfaiesus, MdBgegen „die Eliten“
das mit der abscheu vor den eliten war einer der treiber der maga. aber verstanden habe ich das nie, wer könnte elitärer sein als trump und seine kumpels? -
Europa und die USA sind Teil desselben Kulturraums; sie teilen eine gemeinsame Ideengeschichte. Sie sind ethnisch eng verbunden und kulturell verwoben. Die gegenseitige Integration geht tief. Europa und die USA verbindet eine liaison exceptionnelle. In vielem sehen wir im jeweiligen Gegenüber das bessere Selbst. Die USA lieben Kultur und savoir vivre Europas, und Europa liebt die trailblazing USA unserer Frontier-Erzählungen.
2/9Ich weiß noch, wie ich in jüngeren Jahren davon ausging, daß Deutschland und die USA eine sehr ähnliche Kultur haben.
Da war dann der Kulturschock im Jahr 2008 während eine zweimonatigen USA-Aufenthalts um so größer.
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@Awet Tesfaiesus, MdB
gegen „die Eliten“
das mit der abscheu vor den eliten war einer der treiber der maga. aber verstanden habe ich das nie, wer könnte elitärer sein als trump und seine kumpels?@jabgoe2089 sie geben ja auch Anlass zum Unbill.
Nur: wer ist Elite?
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Ich weiß noch, wie ich in jüngeren Jahren davon ausging, daß Deutschland und die USA eine sehr ähnliche Kultur haben.
Da war dann der Kulturschock im Jahr 2008 während eine zweimonatigen USA-Aufenthalts um so größer.
@juergen_hubert haben sie
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Hier ein paar Gedanken nach meiner USA-Reise.
Vorab: Mit vielen Akteuren wurde Vertraulichkeit vereinbart. Außerdem haben mein Mann und ich hier jeweils Familie. Es bleibt also einiges vage, und ich werde evtl. Nachfragen nicht beantworten. #longthread #thread
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Ich denke, dass gerade der Anfang deines Posts direkt aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen könnten. Diese Angst davor, was Menschen passieren könnte, weil ich etwas sage oder tue, dass ist so erschreckend nah und bedrückend belastend. Ich wünsche deiner Ohana in aller Welt und allen Ohanas und Menschen auf unserer Erde Frieden und Freiheit und Zufriedenheit. Mahalo für deinen Bericht, auch wenn mir der Anfang Angst und Sorge bereitet.
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Hier ein paar Gedanken nach meiner USA-Reise.
Vorab: Mit vielen Akteuren wurde Vertraulichkeit vereinbart. Außerdem haben mein Mann und ich hier jeweils Familie. Es bleibt also einiges vage, und ich werde evtl. Nachfragen nicht beantworten. #longthread #thread
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@AwetTesfaiesus
Danke! Danke, dass du diesen Menschen eine Stimme gibst. Wir vergessen nur allzu oft, dass fast 50% des Landes nicht Trump sondern Harris gewählt hat, aber wir sehen und hören hier in Europa fast nur Trumps MAGA. Und vergessen den Rest.By the way, wir haben hierzulande mit den ehemals DDR-Bundesländern (ich mag nach 30 Jahren nicht mehr "neue" sagen) ja eine ähnliche Konstellation, in der wir nur noch Baseballschläger-Nazi-Sachsen sehen, hören und im Kopf haben. Und dabei die vergessen, die da die Zivilgesellschaft und die Demokratie, teils verzweifelt, am Leben halten. Ähnliche Scheuklappe im Kopf, realisiere ich gerade. Danke für diese (selbst-)Erkenntnis.
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@juergen_hubert haben sie
Desto mehr ich über die USA lerne, desto mehr zweifele ich daran. Klar, die USA sind von Nachfahren europäischer Einwanerer dominiert - aber die Kulturen haben sich in den letzten Jahrhunderten sehr stark auseinanderentwickelt.
Ich war damals für zwei Monate in Columbus, Ohio. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich schon verschiedenste europäische Länder kennengelernt. Aber ich war noch nie in einer Stadt, wo es Grundvoraussetzung für die Teilnahme am öffentlichen Leben war, daß man ein Auto hat.
Ich selber hatte nie ein Auto, und bin bis dahin immer gut mit Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln, und zu Fuß zurecht gekommen. Aber diese Alternativen waren dort entweder stiefmütterlich behandelt (öffentliche Verkehrsmittel), oder schlicht nicht vorgesehen (Fahrrad und zu Fuß). Innerhalb meines Wohnviertels gab es zwar noch Bürgersteige, aber dieses Wohnviertel war vollkommen von Verkehrsstraßen umgeben, welche keine Möglichkeit für die Teilnahme von Fußgängern oder Radfahrern vorsahen.
Diese vollkommen andere Konzeption von öffentlichen Raum - und was nötig ist, um daran teilzunehmen - war für mich sehr, sehr fremdartig.
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Hier ein paar Gedanken nach meiner USA-Reise.
Vorab: Mit vielen Akteuren wurde Vertraulichkeit vereinbart. Außerdem haben mein Mann und ich hier jeweils Familie. Es bleibt also einiges vage, und ich werde evtl. Nachfragen nicht beantworten. #longthread #thread
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#AltTextForYou
Foto von Tisch oder Regal mit durcheinander gestapelten Büchern, oben drauf liegt das Buch "T.C. Boyle, No Way Home", mit einem Aufkleber "Spiegel Bestseller-Autor"(Der Alt-Text darf gerne übernommen werden, sobald Du dafür Zeit findest)
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#AltTextForYou
Foto von Tisch oder Regal mit durcheinander gestapelten Büchern, oben drauf liegt das Buch "T.C. Boyle, No Way Home", mit einem Aufkleber "Spiegel Bestseller-Autor"(Der Alt-Text darf gerne übernommen werden, sobald Du dafür Zeit findest)
@muenchnerin Danke! Hatte einen gemacht. Hat die App wohl verschluckt.
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Hier ein paar Gedanken nach meiner USA-Reise.
Vorab: Mit vielen Akteuren wurde Vertraulichkeit vereinbart. Außerdem haben mein Mann und ich hier jeweils Familie. Es bleibt also einiges vage, und ich werde evtl. Nachfragen nicht beantworten. #longthread #thread
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Alleine dieser erste Teil bestätigt:
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind im fortgeschrittenen Verrottungsprozess.- natürlich verstehe ich Sie und was sie hier schreiben ist richtig und wichtig -
aber so eingeschränkt über einen Demokratischen Staat reden - zu müssen - das ist eine Bankrotterklärung
Und das von jenen, die uns mal anlernten in Sachen Demokratie ...
(aber es ist ja eh allen klar)
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@jabgoe2089 sie geben ja auch Anlass zum Unbill.
Nur: wer ist Elite?
@AwetTesfaiesus @jabgoe2089
Nun - jeder kann (und macht es gelegentlich) sich selbst zur Elite erklären.Diejenigen, die von anderen dazu gezählt werden, sehen es wieder häufig anders, entweder als nicht oder aus anderen Gründen zutreffend.
Kurz:
Eliten sind per Definition eine Frage der Auswahlkriterien. -
@AwetTesfaiesus @jabgoe2089
Nun - jeder kann (und macht es gelegentlich) sich selbst zur Elite erklären.Diejenigen, die von anderen dazu gezählt werden, sehen es wieder häufig anders, entweder als nicht oder aus anderen Gründen zutreffend.
Kurz:
Eliten sind per Definition eine Frage der Auswahlkriterien.@AwetTesfaiesus @jabgoe2089
Oder anders
Eliten sind im Grunde das gleiche wie "Ausschuss".
Die zwei Seiten einer Medaille der dualistischen Weltsicht. -
Desto mehr ich über die USA lerne, desto mehr zweifele ich daran. Klar, die USA sind von Nachfahren europäischer Einwanerer dominiert - aber die Kulturen haben sich in den letzten Jahrhunderten sehr stark auseinanderentwickelt.
Ich war damals für zwei Monate in Columbus, Ohio. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich schon verschiedenste europäische Länder kennengelernt. Aber ich war noch nie in einer Stadt, wo es Grundvoraussetzung für die Teilnahme am öffentlichen Leben war, daß man ein Auto hat.
Ich selber hatte nie ein Auto, und bin bis dahin immer gut mit Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln, und zu Fuß zurecht gekommen. Aber diese Alternativen waren dort entweder stiefmütterlich behandelt (öffentliche Verkehrsmittel), oder schlicht nicht vorgesehen (Fahrrad und zu Fuß). Innerhalb meines Wohnviertels gab es zwar noch Bürgersteige, aber dieses Wohnviertel war vollkommen von Verkehrsstraßen umgeben, welche keine Möglichkeit für die Teilnahme von Fußgängern oder Radfahrern vorsahen.
Diese vollkommen andere Konzeption von öffentlichen Raum - und was nötig ist, um daran teilzunehmen - war für mich sehr, sehr fremdartig.
@juergen_hubert @AwetTesfaiesus
In meinen Augen sind die USA die missglückte Synthese aus den Grundgedanken der französischen Revolution und einer regellosen Form des Kapitalismus, plus der zwanghaften imperialistischen Landnahme (Frontier) sowie religiösem Sektierertum. Die Konsequenzen dieser kruden Mischung werden immer deutlicher. Ich sehe da keine großen kulturellen Gemeinsamkeiten mit Europa mehr und denke, wir werden möglicherweise noch den Zerfall der USA erleben.
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@jabgoe2089 sie geben ja auch Anlass zum Unbill.
Nur: wer ist Elite?
Sehr interessant zum Thema Eliten ist die Forschung von Michael Hartmann. Der hat auch in mehreren Büchern darüber geschrieben, wer eigentlich die Eliten sind und da ist die Gruppe deutlich kleiner als ich es gedacht hätte.
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Keine große Verfassungsreform seit 1787 gehabt zu haben, ist heute ein Problem. Ebenso die Fetischisierung einer „schlanken“ Staatsverwaltung, die nicht einmal Funktionen aufrechterhalten kann, von denen in Europa Konsens besteht, dass sie grundlegend sein sollten.
4/9@AwetTesfaiesus Danke für die Einschätzungen. Spannend auch die Wahrnehmung der Linken in den USA.
Mir ist die fehlende Modernität des Staats beim Thema "Datenschutz" aufgefallen. Während die EU mit dem Recht auf digitale Selbstbestimmung kennt und damit die Bürgerrechte in die digitale Zeit übersetzt haben, kennt das US-Recht kein solches Grundrecht. "Privacy" ist eine Mischung aus Verbraucherschutz und Presserecht. Einzige Grundsatz: Daten dürfen nicht öffentlich werden.
Die letzte Erweiterung des Privacy-Rechts war der Schutz der Leihlisten in Videotheken.
Offenbar hatten die USA nicht mehr die Kraft, so ein modernes Grundrecht politisch zu entwickeln.
https://kaffeeringe.de/2026/02/01/privacy-ist-das-us-gegenkonzept-zum-europaeischen-datenschutz/ -
Die liaison exceptionnelle wird sich neu definieren. Die USA werden sich neu definieren. Das Potiential zum tiefen Bruch ist da. Für die "alte Welt" ist eine neue Zeit angebrochen.
We are not living in an era of change, but live through a change of eras.
9/9@AwetTesfaiesus Was die USA und Europa gemeinsam haben, ist sich nie vom aristokratischen System gelöst zu haben. Beide Systeme sind zwar liberale Aristokratien. Doch jetzt können wir beobachten, wie sie zurück in autoritäre Aristokratien kippen. Weder Europa noch die USA haben bisher die Machtprobleme in ihren Verfassungen gelöst.
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@juergen_hubert @AwetTesfaiesus
In meinen Augen sind die USA die missglückte Synthese aus den Grundgedanken der französischen Revolution und einer regellosen Form des Kapitalismus, plus der zwanghaften imperialistischen Landnahme (Frontier) sowie religiösem Sektierertum. Die Konsequenzen dieser kruden Mischung werden immer deutlicher. Ich sehe da keine großen kulturellen Gemeinsamkeiten mit Europa mehr und denke, wir werden möglicherweise noch den Zerfall der USA erleben.
@qwertzalotl @juergen_hubert @AwetTesfaiesus
Gerade aus Deutschland mit anklagendem Finger auf die USA zu zeigen hat für mich ein Geschmäckle. Viele freiheitliche Impulse mit denen man es tun könnte, hat man ja erst von dort reimportieren und neu erlernen müssen, nachdem man sie aus Deutschland u.a. dorthin ins Exil vertrieben hatte.Viele der uns abstoßenden religiösen und politischen Strömungen dort lassen sich auf deutsche Wurzeln zurück führen.